Wetter
Ab 25.2. setzte in den Südalpen und am Alpenhauptkamm eine ausgeprägte Erwärmung ein – die Temperaturen stiegen in den darauffolgenden Tagen auf rund +7°C auf 2000m bzw. +1°C auf 3000m. Seit letztem Sonntag prägen kühle und trockene Luftmassen sowie meist wolkenloser Himmel das Wettergeschehen. Trotz zunehmender Tageslänge steht die Sonne Anfang März noch relativ tief – der flache Einfallswinkel sorgt für eine schwächere Sonneneinstrahlung.

Aufgrund der negativen Energiebilanz der Schneeoberfläche im Laufe der letzten Tage kam es zu einer Akkumulation des Harschdeckels. Der Harschdeckel wird immer dicker und weicht tagsüber vielerorts nicht mehr vollständig durch → das verhindert ein Einbrechen und damit die Belastung tieferer Schwachschichten → die Lawinensituation verbessert sich. Durchstößt man den Harschdeckel mit dem Griff des Skistocks, so lässt sich im flachen Gelände ein kurzer Blick in die Schneedecke werfen und die Dicke des Schmelzharschdeckels abschätzen. Eine Mächtigkeit von mindestens etwa 10 - 15 cm ist dabei positiv zu bewerten. Vorsicht: Je nach Höhenbereich, Hangexposition und Hangneigung kann dieser Wert variieren.
Verhältnisse
Aktuell herrschen entlang des Alpenhauptkamms sowie in den Südalpen – etwa in den Julischen Alpen im Bereich des Altipiano del Montasio – südseitig sehr günstige Verhältnisse für Firntouren. In südexponierten Hängen und bei gutem Zeitmanagement ist Firn bis in Höhen von rund 2600 m zu finden. Am Alpenhauptkamm muss unterhalb von rund 1800 m vielerorts die geringe Schneehöhe berücksichtigt werden. Aufgrund des aktuell niedrigen Taupunktes (Villacher Alpe: -17,2 Grad am Freitag Morgen) ist die Schneeoberfläche griffig. Je tiefer und je weiter südlich der Ausgangspunkt der Tour liegt, desto früher sollte gestartet werden, da die tageszeitliche Erwärmung früher einsetzt.
Hoher Taupunkt: Häufig im späten Frühjahr – die Oberfläche des Harschdeckels ist glatt und vereist.
Niedriger Taupunkt: Durch Sublimationsprozesse bildet sich eine raue, griffige Struktur an der Oberfläche.
Lawinensicherheit
Mit Einsetzen der markanten Erwärmung kam es an südseitigen Steilhängen zu einer erhöhten spontanen Lawinenaktivität – viele dieser Bereiche haben sich dadurch bereits weitgehend entladen. Entlang des Alpenhauptkamms sinkt grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung im Altschnee. Aufgrund potenziell großer Lawinen bleibt das Risiko im betroffenen Gelände jedoch erhöht (Lawinenwarnstufe 3). Schwachschichten sind weiterhin vorhanden und störanfällig. Vor allem noch nicht entladene Nordosthänge mit einer Hangneigung von steiler als 35° sollten konsequent und mit entsprechendem Abstand gemieden werden. Zerstört wurden die Schwachschichten bislang vor allem in schneearmen Bereichen mit intensiver Sonneneinstrahlung sowie in Hängen, in denen bereits Lawinen abgegangen sind. Günstiger zeigt sich die Lawinensituation in den Südalpen, etwa in den Julischen und Karnischen Alpen (Lawinenwarnstufe 2). Extrem steile Hänge (steiler als 40°) in den Expositionen Nordwest bis Nordost (NW–N–NO) sollten jedoch auch hier gemieden werden. Auch im Frühjahr steigt das Lawinenrisiko mit zunehmender Hangneigung.
Der aktuelle Lawinenlagebericht für die jeweilige Region sollte vor jeder Tour aufmerksam gelesen und in die Planung einbezogen werden, da sich die Lawinengefahr im Tagesverlauf – insbesondere am Nachmittag – deutlich verändern kann. Bei Bedarf veröffentlichen die Lawinenwarndienste dafür einen eigenen Bericht für den Nachmittag.
