Lawinenzeit im Lawinenwinter

von Spuren im Süden Autor Christoff Peters

Durch Variantenfahrer fernausgelöste Schneebrettlawinen in der Region Innervillgraten unter dem Gipfelbereich der Kreuzspitze vom 01.02.2026 (Exposition W-NW) (Hangneigung über 35°)
Die Schwachschicht befindet sich im bodennahen Bereich der Schneedecke (aufbauend umgewandelte Schneeformen). Darüber liegt ein gebundenes Schneebrett, das durch eine Kombination aus Neuschnee und Wind entsteht. Durch einen Stabilitätstest (Rutschblocktest) wurde gezielt ein Bruch in der Schwachschicht erzeugt, der anschließend das Abgleiten des Schneebretts auslöste.

Erste Lawinenzeit am Alpenhauptkamm

Zweite Lawinenzeit in den Südalpen

Vorher-Nachher Aufnahme des Hangs vom 1.2. und 8.2. https://sellanevea.panomax.com

Weiterhin angespannte Situation in Osttirol, den Hohen und Niederen Tauern

Bei der Lawinenwarnstufe 2 ''mäßig'' ist insbesondere in schneearmen Wintern höchste Vorsicht geboten. Aufgrund der geringen Schneehöhen erreichen Lawinen teils nur mittlere Größen. Da die Lawinengröße in der EAWS-Matrix ein zentrales Kriterium für die Einstufung der Lawinengefahr darstellt, bildet die ausgewiesene Gefahrenstufe die tatsächliche Komplexität der Situation nicht immer vollständig ab. Erst der Text des Lawinenlageberichts liefert die entscheidenden Details. 

Die reine Gefahrenstufe kann im heurigen Winter daher auf den ersten Blick trügerisch wirken. Umso wichtiger ist es, den vollständigen Lagebericht zu lesen, in dem die maßgeblichen Faktoren wie Lawinengröße, Häufigkeit (an wie vielen Stellen eine Lawine ausgelöst werden kann) und Schneedeckenstabilität präzise beschrieben werden. Eine Einzelhangbeurteilung im Gelände, die sich ausschließlich auf Risiko-Reduktionsmethoden wie Stop or Go stützt, ist daher nicht ausreichend. Die im Lagebericht beschriebenen Parameter müssen dabei sorgfältig bewertet werden. Angesichts der aktuellen Situation ist eine defensive Tourenplanung ausdrücklich zu empfehlen.

Nicht zu vergessen: Laut einer Schweizer Statistik ereignen sich bei Lawinenwarnstufe 2 rund 29 % aller tödlichen Lawinenunfälle.
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Foto: M. Petutschnig
Foto: M. Petutschnig
Bei der Interpretation von Schneedecken-Stabilitätstests (ECT,CT,RB,PST) muss immer darauf geachtet werden, dass diese nur für einen sehr kleinen Bereich des Hanges repräsentativ sind und nie Aufschluss zur allgemeinen Einschätzung eines gesamten Hangbereichs geben können. Streng genommen kann durch das Ergebnis eines Stabilitätstests die Befahrung eines Hangs nur ausgeschlossen, niemals jedoch gerechtfertigt werden! 



Aussicht & Gefahrenbeurteilung